Review: There’s No Way a Side Character Like Me Could Be Popular, Right? – Band 1

Eine klassische romantische Komödie, wie sie im Buche steht. Ecchi-Harem Trash, oder doch eine bewegende Story? Findet es heraus in dieser Review zur ersten Veröffentlichung von Tentai Books!

Cover des Band 01 von There's No Way a Side Character Like Me Could Be Popular, Right?
Cover des Band 01 von There’s No Way a Side Character Like Me Could Be Popular, Right?
Japanischer Titel:
友人キャラの俺がモテまくるわけないだろ?
Yuujin-chara no Ore ga Motemakuru wake ga nai darou?
Englischer Titel: There’s No Way a Side-Character Like Me Could Be Popular, Right?
Autor: Sekaiichi
Illustrationen: Tomari

Mein Name ist Tomoki Yuuki, Oberschüler im zweiten Jahr. Ich würde sagen ich bin ein ziemlich normaler Schüler, abgesehen davon, dass alle mich meiden wie die Pest, weil ich scheinbar aussehe wie ein Massenmörder. Die einzige Ausnahme: Haruma, mein einziger Freund.
Mein schulisches Leben lief so vor sich hin wie üblich … bis eines Tages Harumas super beliebte kleine Schwester mir plötzlich ihre Liebe gesteht?! Und ob ihr’s glaubt oder nicht, nachdem ich mit ihr zusammenkomme, kommen mir auch plötzlich Harumas süße Kindheitsfreundin und meine superheiße Lehrerin näher!
Moment, ist das nicht ein Rom-Com Szenario, wie es nur in Träumen vorkommen kann? Ich meine, keine Chance, dass eine Nebenfigur wie ich so beliebt sein könnte, oder?

– freie Übersetzung der englischen Beschreibung von Tentai Books

Meine Meinung:

So, und jetzt löscht ihr bitte diese inoffizielle Übersetzung der offiziellen Beschreibung komplett aus eurem Gedächtnis und hört mir zu! Was klingt wie eine weitere generische Rom-Com Light Novel a la HenSuki (Kawaikereba Hentai demo Suki ni Natte Kuremasuka?) oder OreSuki (Ore wa Suki nano wa Omae dake kayo?) sollte eher gleichgesetzt werden mit Titeln wie Bottom-Tier Character Tomozaki.

Was hier glaube ich passiert ist, und warum die Beschreibung meiner Meinung nach den Inhalt nicht gut reflektiert, ist dass diese Novel ursprünglich als Web Novel erschien und Autor Sekaiichi sich womöglich zunächst nicht sicher war, welchen Ton die Geschichte anschlagen sollte. Web Novels werden ja Kapitel für Kapitel online veröffentlicht und nicht durch einen Editor bearbeitet, weshalb es sein kann, dass der Ton zu Beginn ein anderer ist. Das merkt man vor allem an den ersten Kapiteln, denn die Novel hatte für mich ein paar Startschwierigkeiten. Bis es zum tatsächlichen Liebesgeständnis kommt dümpelt die Geschichte ein wenig vor sich hin und der Erzählton ist noch ein klein wenig charakterlos. Ich vermute die obige Inhaltsbeschreibung ist eine, die noch vor dem Veröffentlichen der Geschichte entstanden ist, weshalb sie viel mehr nach abgehobener Rom-Com klingt, als es das Buch eigentlich ist. Die oben erwähnte Kindheitsfreundin und Lehrerin spielen im übrigen nur nebenbei eine Rolle.

Und dann wäre da noch die Tatsache, dass die Beschreibung uns verschweigt, dass diese Novel einen meiner absoluten Lieblingstropes, nämlich Fake Dating bearbeitet. Denn Touka, die besagte kleine Schwester, hat in ihrer ersten Schulwoche so viele Liebesgeständnisse erhalten, dass sie sich entschließt mit Yuuji eine Beziehung vorzutäuschen, um die ganzen Kerle abzuwimmeln. Yuuji ist zwar von Anfang an klar, dass das nicht der eigentliche Grund für diese Farce sein kann, aber da das eines der wenigen Male ist, in denen sich jemand auf ihn verlässt, willigt er ein.

Und das war eigentlich auch schon das größte inhaltliche Problem, dass ich mit diesem Buch habe. Es ist nach diesen ersten Kapiteln durchweg unterhaltsam, was nicht zuletzt unseren wundervoll geschriebenen Hauptfiguren zu verdanken ist.

Yuujis Grundkonzept, dass er so gruslig aussieht, dass alle ihn meiden (was wohlgemerkt lediglich an einer Narbe unter dem Auge liegt) erfindet das Rad natürlich nicht neu (Toradoras Takasu Ryuji lässt grüßen). Was der Autor hier allerdings richtig macht, ist aus ihm kein unbeschriebenes Blatt von Escapist-Fantasy zu machen. Dadurch, dass Yuuji so isoliert von anderen war, hat er gewissermaßen die Fähigkeit erworben andere Leute bis zu einem gewissen Grad zu durchschauen. So ist ihm auch von vorne herein klar, dass Touka nicht ernsthaft vorhat mit ihm auszugehen, allerdings wird zumindest dem Leser klar, dass seine Fähigkeit nicht unfehlbar ist, was etwa Kana, die bereits erwähnte Kindheitsfreundin angeht. Auf der anderen Seite hat seine Isolation auch dazu geführt, dass Yuuji manchmal etwas Probleme hat zu erkennen, was unter seinen Mitmenschen als angebracht gilt, was zu der ein oder anderen witzigen Situation führt. Vor allem hat er keine Probleme zu sagen was er denkt und das resultiert meist darin, dass die angesprochene Person ziemlich geschmeichelt ist.

Tatsächlich verhält es sich hier so, dass die Gerüchte, er sei doch ein Gangster nicht ganz ohne sind. Denn wie Yuuji mehr als einmal beweist, weiß er wie man einen Haken schlägt. Anders gesagt, Yuuji hat definitiv eine Hintergrundgeschichte und ich bin gespannt was es damit auf sich hat.

Auf der anderen Seite hätten wir Touka, die mit Yuuji ein unfassbar dynamisches Duo bildet. Auch wenn ihre Interaktionen zunächst sehr oberflächlich sind, durch Yuujis Eigenschaft andere Leute zu durchschauen und ihnen zu sagen, was er denkt wird Touka schnell offener und lernt auch Yuuji zu verstehen. Auch wenn die beiden ihre Beziehung nur vortäuschen, haben die beiden dauerhaft diese Momente in denen sie für einander einstehen und dem jeweils anderen helfen besser über sich zu denken. Und ehe man es sich versieht, shippt man die beiden ehrlich miteinander, da sie einfach eine gesunde Beziehung zueinander aufbauen, die auf gegenseitigem Respekt basiert. Touka kommt zunächst rüber, wie eine einfache Tsundere. Sie ist temperamentvoll, manchmal ein wenig arrogant und überheblich, aber sie scheint sich dessen selbst bewusst zu sein und merkt auch schnell, wenn sie etwas über die Stränge schlägt. Und ich bin so froh, dass der Autor sich hier gegen klare Charakterarchetypen entschieden hat.

Durch dieses Vertrauen, dass die beiden aufbauen kommt irgendwann der tatsächliche Grund heraus, warum Touka diese Fake Dating Farce gestartet hat, wo sich mal wieder zeigt, dass Tomokis Fähigkeit Leute zu durchschauen nicht unfehlbar ist. Ich fand es war außerdem schön, dass diese Enthüllung nicht bis zum Ende des Buches hat auf sich warten lassen, denn er trägt ungemein zu einem Handlungsstrang außerhalb der Romanze bei und führt Touka einen ihrer Charaktermängel vor Augen und stößt sie in die richtige Richtung um sich zu verändern.

Bei besagtem Handlungsstrang handelt es sich um die Diskriminierung, die Yuuji im Schulalltag erfährt, welche in Richtungen gegangen ist, die ich nicht ganz vermutet hätte. Yuuji ist diese Art der Diskriminierung schon so sehr gewohnt, dass er dagegen nichts mehr tun will und so wie ich das sehe sie sogar noch unterbewusst verschlimmert, indem er sich zu einem gewissen Grad den Erwartungen seiner Mitschüler anpasst. Natürlich hat der Autor es sich nicht nehmen lassen für den ein oder anderen Lacher zu sorgen, indem Yuuji beispielsweise die Menschenmenge vor der Cafeteria durch seine bloße Präsenz spaltet, wie Moses das rote Meer. Doch als Yuuji es irgendwann schafft aus eigener Kraft eine Freundschaft zu knüpfen kamen mir beinahe die Tränen, als er sich sein Grinsen verkneift. Einerseits weil es mich glücklich gemacht hat, zu sehen, wie glücklich er ist, andererseits, weil ich es schade fand, dass er das Gefühl hat nicht offen seine Emotionen zeigen zu können.

Ich bin gespannt, wie es von hier aus weitergeht, denn während der erste Band ein recht zufriedenstellendes Ende hat, werden zahlreiche Handlungsstränge offen gelassen. Unter anderem wurde eine Hintergrundgeschichte für Yuuji angeteasert und während wir zwar erfahren, warum Touka diese Fake Dating Sache gestartet hat, wird an dem Problem, das dazu geführt hat nichts geändert. Ich bin außerdem etwas besorgt, wie die Struktur der Reihe den Plotverlauf beeinflusst, denn wenn man den Covern glauben darf, scheint es sich hierbei um eine „Ein Mädchen pro Buch“ Reihe zu handeln, wo der Fokus jeden Band auf eine andere weibliche Figur wechselt.

Eine absolut positive Überraschung waren außerdem die 6 kurzen Extra Stories im Anhang, die exklusiv für die Taschenbuch Ausgabe sind. Ich bin normalerweise kein Fan von solchen Bonus Stories, die nichts zum Plot hinzufügen und tendiere in der Regel dazu diese zu überspringen. Wie froh bin ich das hier nicht getan zu haben. Hinter den Extra Stories steckt nichts überragendes, es sind eigentlich nur kurze Szenen in denen Yuuji mit anderen männlichen Charakteren in Situationen kommt, die für Außenstehende alles andere als heterosexuell aussehen. Dabei wird immer klar gestellt, dass keiner der Charaktere ein Problem damit hätte, wenn einer der Jungs tatsächlich schwul wäre, was eine furchtbar nette Abwechslung ist, da Light Novels leider oftmals ein kleines Homophobie Problem haben.

Interessanterweise scheinen die Szenarien die Haruma involvieren, geradezu von diesem provoziert zu werden. Angesichts der Tatsache, dass dieser von allen beliebte und gut aussehende Schüler irritierenderweise keine Freundin und auch sonst kein sonderliches Interesse an Frauen zu haben scheint, habe ich da eventuell die ein oder andere Theorie … Immerhin ist das einzige, was wir von Haruma in der Hauptgeschichte sehen, dass er versucht Yuujis Ansehen bei seinen Mitschülern zu bessern, indem er ihn etwa bittet beim Schülerrat auszuhelfen, oder ihn in Situationen bringt, in denen er vor anderen gut da steht. Denn wie bereits erwähnt hat Yuuji selbst keinen wirklichen Trieb sein Ansehen aus eigener Kraft zu verbessern.

Gestaltung:

Ein GIF, dass die Absurdität der Cover von Side Chara 1 zeigt
Ein GIF, dass die Absurdität der Cover von Side Chara 1 zeigt. Zum Vergrößern des GIFs bitte klicken

Es handelt sich hierbei um die erste (physische) Veröffentlichung von Tentai Books und ich bin davon leider kein großer Fan gewesen. Das Buch kommt im Großformat daher, umfasst 200 Seiten und hat nach japanischem Vorbild einen Umschlag. Ich persönlich bin Fan von dieser Eigenheit, die sich im Westen nie wirklich durchgesetzt hat (obwohl es Ausnahmeländer wie Polen oder Spanien gibt) hier war ich vom Ergebnis jedoch eher mäßig begeistert. Das Design des Umschlags ist ziemlich langweilig, in den Klappen, wo üblicherweise eine kurze Autorenbiographie zu finden ist, steht nur gähnende Leere. Bei Band 2 wird das zum Glück anders sein. Außerdem erschloss sich mir der Sinn eines Umschlags nicht, wenn der tatsächliche Einband des Buches exakt gleich aussieht, jedoch erfuhr ich später, dass es von japanischer Seite einfach kein Material gab, mit dem man den Einband sonst hätte bedrucken können. Das hat den faszinierenden Nebeneffekt, dass man das Cover dieses Bandes gleich drei Mal zu sehen bekommt: Auf dem Umschlag, dem Einband und der ersten Seite des Buches.

Und wenn wir schon beim Innenleben sind, meckere ich da gleich weiter. Die Farbillustrationen sind leider schlecht beschnitten, sie sind teils abgeschnitten. Das Inhaltsverzeichnis ist zu guten Teilen fehlerhaft was die Seitenzahlen angeht. Die Formatierung des Buches ist inkonsistent, manchmal blieb eine Seite leer, damit das folgende Kapitel auf der rechten Seite anfängt, manchmal fingen Kapitel doch auf der linken Seite an. Und manchmal wurden die kleinen Sternsymbole zwischen Absätzen nicht richtig formatiert und durch durchgestrichene Boxen ersetzt.

Beispiel für die fehlerhafte Formatierung von Side Chara
Beispiel für die fehlerhafte Formatierung von Side Chara Band 01.

Positiv hervorheben kann ich jedoch die Übersetzung, denn wenn man einen Satz als „We live in a society, bro“ übersetzen kann, sollte man das absolut tun.

Fazit:

Während die physische Ausgabe meiner Meinung nach ein kleiner Griff ins Klo ist, machen die Extra Stories und natürlich die Hauptgeschichte das absolut wieder wett. Lasst euch nicht von der generischen Beschreibung irritieren und greift bei dieser Slice of Life Geschichte zu für gut geschriebene Charaktere, einen wundervoll ausgeführten Fake Dating Trope und einfach eine unterhaltsame Zeit.

Das Buch kostet 13,99€ und ist erhältlich im Shop von Tentai Books mit 4,99€ Versand. Haltet am besten nach einer Versandfrei-Aktion Ausschau. Natürlich gibt es auch ein E-Book zum Preis von 8,99€, das E-Book ist auch auf Spanisch verfügbar.


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