J-Novel Club gehört nun zu Kadokawa: Eine Analyse

Kadokawa, das große japanische Medienhaus, hat den englischen Publischer J-Novel Club gekauft. Informationen zum Kauf und ob sich für uns etwas dadurch ändert, erhaltet ihr in diesem Artikel. Dazu eine kleine Analyse was Kadokawa dazu veranlasst haben könnte den amerikanischen Publischer zu kaufen.

Die offiziellen Informationen

Ich weiß, ich bin mit diesem Artikel etwas spät dran, aber besser spät als nie. Mittlerweile dürftet ihr vielleicht wissen, dass Kadokawa den amerikanischen Publischer J-Novel Club (JNC) gekauft hat. Die offizielle Pressemitteilung findet ihr auf dem Blog von J-Novel Club, ebenfalls bei J-Novel findet ihr ein kleines Q&A. Die wichtigsten Punkte für euch in einer kleinen Zusammenfassung:

  • Kadokawa übernimmt J-Novel Club für einen unbekannten Preis
  • Das große Ziel hinter dem Kauf/Verkauf ist eine Vergrößerung des englischen Light Novel-Marktes im Ganzen
  • Samuel Pinansky, der Gründer von J-Novel Club, bleibt weiterhin Chef von J-Novel Club ist nun der „Managing Director“ für JNC.

Die Q&A gibt noch weitere Informationen:

  • Es wird keine Änderungen am bestehenden Abo-System von J-Novel Club geben, der Preis und auch die Vorteile eines Abos bleiben bestehen.
  • J-Novel Club bleibt vollkommen unabhängig von Bookwalker. Die Website und die Apps von J-Novel bleiben wie bisher erhalten, eine Änderung an J-Novel Club (Coins, DRM-freie-E-Books) soll es nicht geben.
  • Auch die Sorge, dass J-Novel Club ab sofort nur noch Titel von Kadokawa ins Programm nehmen wird ist unbegründet. Genau wie Bookwalker Titel aller Publischer verkauft, wird auch J-Novel Club weiterhin Bücher aller möglichen japanischen Publischer lizenzieren und verkaufen.
  • Intern wird J-Novel Club weiterarbeiten wie bisher, eine Änderung an der Geschwindigkeit und Qualität, in der die E-Books erscheinen, soll es nicht geben.
  • Auf die Frage WAS sich nun ändern würde antwortet J-Novel Club, dass es Vorteile mit sich bringt zu einem der größten japanischen Publischer zu gehören, etwa die Möglichkeit noch mehr Light Novel und Manga herauszugeben.

Insgesamt kann man also aus den offiziellen Dokumenten entnehmen, dass sich für die Kunden von J-Novel Club (dazu gehöre ich selbst ja auch) nichts ändern wird. Vielleicht wird sich aber der ein oder andere doch fragen, warum hat Kadokawa J-Novel denn gekauft?

Eine Analyse des Jahresbericht 2020 von Kadokawa und dem Kauf von J-Novel Club

Für J-Novel Club ergibt sich hier also auf alle Fälle eine Chance auf Wachstum, aber auch im Bereich des Prints könnte sich wegen Yen Press (auch ein Teil von Kadokawa) eine Chance ergeben, dass mehr Titel von JNC als gedrucktes Buch erscheinen könnten.

Was aber hat Kadokawa an diesen Kauf bezweckt?

Schauen wir doch dafür mal in den Bericht von Kadokawa für das Ende des Fiskaljahres 2020. Diese Berichte sind öffentlich über Kadokawas Internal-Relation-Seite abrufbar. Eine kleine Anmerkung noch an dieser Stelle, da Kadokawa ein japanisches Unternehmen ist haben sie ein anderes Fiskaljahr, als bei uns üblich. Während bei uns das Fiskaljahr mit einem Kalenderjahr übereinstimmt, läuft das Fiskaljahr in Japan von April 00 bis März 01.

Jahresergebnisse von Kadokawa im Jahr 2020: Gesamt

Zu Beginn ein paar interessante Zahlen aus dem Report, was den Umsatz und Gewinn von Kadokawa im Gesamten angeht:

Ein Auszug aus Kadokawas Jahresergebnis 2020: Hier die Nettoumsätze (2019: 204.653 Mio. Yen | 2020: 209.947 Mio. Yen) und die Gewinne (2019: 8.087 Mio. Yen | 2020: 13.625 Mio. Yen)
Ein Blick auf den Gesamtumsatz und Gesamtgewinn von Kadokawa im Jahr 2019 und 2020

Interessant für uns sind hier die Net Sales (dt. Nettoumsätze) und der Operating Profit (dt. Betriebsgewinn vermutlich vor Steuern). Bitte beachtet, dass die oberen Zahlen auf Millionen Yen lauten und dass darin die Zahlen aller Geschäftsbereiche Kadokawas (also Bücher, Filme und Anime, Videospiele, Web Services und andere) enthalten. Eine Umrechnung in € habe ich hier für euch. Der Umrechnungskurs: 132 Yen = 1€

Nettoumsatz (in Mio.): 1550,40 € (2020) → 1590,51 € (2021) +2,6 %
Gewinn (in Mio.): 61,27 € (2020) → 103,22 € (2021) +68,5 %

Kadokawa hat also in einem Jahr eine Gewinnsteigerung von 68,5 % realisiert.

Jahresergebnisse von Kadokawa im Jahr 2020: Nur Bücher

Werfen wir nun einen Blick auf das Segment der Bücher im Einzelnen:

Bezogen auf den Bereich der Bücher (dieser umfasst Magazine, General Books und Pocket Editions, Manga, Light Novels und normale Paperbacks) haben wir folgendes Bild:

Ein Auszug aus Kadokawas Jahresergebnis 2020 für den Bereich der Bücher : Hier die Nettoumsätze (2019: 117.303 Mio. Yen | 2020: 129.576 Mio. Yen) und die Gewinne (2019: 6.248 Mio. Yen | 2020: 12.841 Mio. Yen)
Ein Blick auf den Umsatz und Gewinn des Bereiches „Bücher“ bei Kadokawa im Jahr 2019 und 2020

Nettoumsatz (in Mio.): 888,66 € (2020) → 981,64 € (2021) +10,5 %
Gewinn (in Mio.): 47,33 € (2020) → 97,28 € (2021) + 105,5 %

Eine ganz schöne Steigerung in nur einem Jahr. Wie es zu dieser großen Steigerung kam erklärt Kadokawa auf der nächsten Folie:

Weitere Informationen zum Segment der Bücher. Insgesamt hat Kadokawa seinen Umsatz hier um 10,5 % erhöht und den Gewinn um 105,5 %
Ein Blick auf den Umsatz und Gewinn des Bereiches „Bücher“ bei Kadokawa 2020 im Detail.

Insgesamt lassen sich hier im Zusammenspiel mit weiteren Zahlen von Kadokawa ein paar interessante Schlüsse ziehen, die auch für den Kauf von J-Novel Club eine Rolle gespielt haben werden.

So tragen laut Kadokawa verschiedene Faktoren zum Wachstum des Umsatzes in diesem Jahr bei. Im Bereich der gedruckten Bücher sind dies vor allem populäre Manga, Light Novel und Kinderbücher, die das Wachstum von 6,8 % tragen.

Ich möchte an dieser Stelle einen etwas genauen Blick auf die Zahlen der E-Books werfen, denn hier schreibt Kadokawa, dass der Markt für E-Books auch in diesem Jahr stetig weiter gewachsen ist. Ein Blick auf die nackten Zahlen:

Für Leute, die Mobil unterwegs sind findet ihr ein Bild der Tabelle hier. Für alle anderen macht den Spoiler auf:

Nettoumsätze mit E-Books pro Quartal
Apr-Jun 2019 Jul-Sep 2019 Okt-Dez 2019 Jan-Mär 2020 Apr-Jun 2020 Jul-Sep 2020 Okt-Dez 2020 Jan-Mär 2020
in Mio. Yen 27.582 28.622 29.758 31.340 29.254 30.874 34.123 35.322
in Mio. € 208,95 216,83 225,44 237,42 221,62 233,89 258,51 267,59
Veränderung +3,77 % +3,97 % +5,32 % -6,66 % +5,54 % +10,52 % +3,51 %

Für Leute, die Mobil unterwegs sind findet ihr ein Bild der Tabelle hier. Für alle anderen macht den Spoiler auf:

Nettoumsätze mit E-Books pro Jahr
Fiskaljahr 2019 Fiskaljahr 2020 Veränderung
in Mio. Yen 34.597 44.826 +29,6 %
in Mio. € 262,10 339,59

Bis auf das 2. Quartal 2019 (dies sind die Monate Juli bis September 2019) ist Kadokawas Umsatz mit E-Books immer weiter gewachsen, vermutlich auch befeuert durch die Corona-Krise und der Schließung der Buchläden, auch in Japan. Dieses Wachstum insgesamt begründet auch die Steigerung des Umsatzes von einem Jahr zum anderen von 29,6 %. Kadokawa selbst hat außer den Zahlen noch folgende Begründungen für das starke Wachstum des Umsatzes in diesem Bereich:

  • Kontinuierliches Wachstum des Marktes für elektronische Bücher (siehe Tabelle oben)
  • Neue User für Kadokawas E-Book-Store Bookwalker (Japan)
  • Manga des Isekai-Genre für Frauen haben sich sehr gut verkauft
  • Ein Wachstum der Verkäufe von E-Books in Übersee (Bookwalker Global)

Die Zahlen zeigen auf jeden Fall, dass der E-Book-Markt für Kadokawa zu einem immer wichtigeren Faktor für Wachstum von Umsatz und Gewinn wird. Zur rekordverdächtigen Steigerung des Gewinns von 105,5 % schreibt Kadokawa, dass dieser erreicht wurde, da sie immer mehr E-Books verkaufen und auch die Vergrößerung E-Commerce-Bereich (Verkauf über das Internet) sich positiv auswirkt.

Ansonsten wurde durch eine Technisierung der Buchläden erreicht, dass weniger Bücher an den Publischer zurückgehen (von 32,3 % auf 27,4 %), auch ein automatisches System zum Versenden der Bücher trägt zur Steigerung des Gewinns bei.

Hier zeigt sich so ein bisschen, dass der japanische Buchmarkt irgendwie noch nicht so technisiert ist, wie man denken könnte. Zumindest wenn ich dem Manga „Skull-face Bookseller Honda-san“ glauben darf, war es wohl in Japan ziemlich üblich, dass Bestellungen bei den Publischern in Japan noch per Telefon abgewickelt wurden. Der Manga ist auf jeden Fall eine Empfehlung wert für alle, die sich ein bisschen dafür interessieren wie so ein Buchladen in Japan funktioniert.

Warum hat Kadokawa J-Novel Club gekauft? Ein Erklärungsversuch

Schauen nun näher auf den Kauf von J-Novel Club. Auch dieser wurde in diesem Bericht erwähnt. Hier zwei Folien für euch:

eine Erläuterung zur Strategie des Kaufs von JNC durch Kadokawa Bild Nummer 1.
Eine weitere Folie aus dem Jahresergebnis: Hier eine genauere Erläuterung über die Hintergründe zum Kauf von J-Novel Club 1.
eine Erläuterung zur Strategie des Kaufs von JNC durch Kadokawa Bild Nummer 2.
Eine weitere Folie aus dem Jahresergebnis: Hier eine genauere Erläuterung über die Hintergründe zum Kauf von J-Novel Club 2.

Die Ziele Kadokawas lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Kadokawa möchte durch J-Novel Clubs Abos seine Umsätze steigern
  • J-Novel Club als eine Art „Vor-Marketing“ mit seinem „Pre-Pub“ die Bekanntheit von neuen Light Novels stärken.
  • Die durch den Pre-Pub erstellten Light Novel sollen dann in ein E-Book zusammengefasst werden und bei den gängigen E-Book-Stores (inklusive aber nicht ausschließlich Bookwalker Global) vertrieben werden.
  • Um die gedruckten Fassungen von diesen Büchern soll sich vornehmlich Yen Press kümmern (auch Teil der Kadokawa-Gruppe).

An dieser Stelle hat Samuel Pinansky, der Gründer von J-Novel Club, noch einmal eingehakt und einen weiteren offiziellen Kommentar auf Reddit zur Sache veröffentlicht:

Hallo! Ich habe noch einen offiziellen Kommentar zu dieser Sache abzugeben:

  1. Es gibt keine Pläne (auf lange Sicht oder andere Weise) den Verkauf der Premium-E-Pubs einzustellen. Einen direkten Weg zu haben unsere Produkte zu verkaufen ist ein wichtiger „Plan B“, sollte einer unserer Dritthändler den Verkauf einstellen.
  2. Alle Serien, die wir im Moment als gedrucktes Buch anbieten, werden auch weiterhin von uns gedruckt. Dies schließt auch die Serien ein, bei denen eine gedruckte Fassung angekündigt wurde.
  3. Dass Yen-Press den Druck unserer populären Titel übernimmt, wäre eine Möglichkeit unser Druck-Geschäft im Allgemeinen zu stärken, im Moment ist das aber nur eine Möglichkeit.

Bitte versteht dies als eine offizielle Korrektur der Präsentation für die Aktionäre.

Quelle: Reddit-Post von Samuel Pinansky (english)

Dies ist natürlich eine freie deutsche Übersetzung des Posts auf Reddit. Das englische Original habe ich euch in diesen Spoiler getan. Ansonsten klickt gerne auf den Link zu Reddit.

Englischer Original-Post von Samuel Pinansky

Hello! I have some official comments on this:

  1. There are no plans (long term or otherwise) to stop selling premium epubs. Having a direct way of selling our product is a crucial back-stop in case 3rd party stores go flakey.
  2. Any series we are currently printing will continue to be printed by us (that includes ones we have announced we will be printing)
  3. Yen Press publishing the popular titles of ours in print is a possibility for strengthening our overall print business, and at this time, just a possibility.

Please take this as an official correction to the IR presentation.

Quelle: Reddit-Post von Samuel Pinansky

Ein paar abschließende Worte

Ich denke mir, dass sich Kadokawa durch den Kauf von JNC ausrechnet auf dem amerikanischen Markt expandieren zu können. Ein Zeichen, dass der Markt in „Übersee“ an Bedeutung für den japanischen Publischer gewinnt.

J-Novel Club dafür natürlich die optimale Wahl. In Zukunft könnte J-Novel Club als eine Art Testballon für Kadokawa dienen und erst mal den Markt für einen neuen Titel erkunden, ohne dabei einen Haufen Geld zu versenken. Es ist insgesamt einfach billiger den Markt für einen neuen Titel erst einmal mittels J-Novels Pre-Pub Angebot zu sondieren und dann erst mal nur ein E-Book zu veröffentlichen. Läuft ein Titel gut an, kann dann ein Print folgen. Im Grunde macht sich Kadokawa hier also JNCs Strategie zu eigen, die den amerikanischen Publischer so erfolgreich macht.

Für den Kunden und J-Novel Club hat das Ganze natürlich auch Vorteile. JNC erhält mit Kadokawa einen starken Partner auf dem japanischen Markt, das sollte Lizenzverhandlungen in Japan vereinfachen. Auch auf den englischen Markt könnte dieser Einkauf einen Einfluss ausüben. J-Novels Portfolio könnte bald um noch mehr unbekanntere Titel ala „When the Clock Strikes Z“ und „Her Majesty’s Swarm“ wachsen. Auch kürzere Serien lohnen sich mehr, wenn sie als E-Books herausgebracht werden.

Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, wohin die Reise für JNC geht und bin erleichtert, dass sich bei JNC nicht viel ändern soll. Ich hoffe, euch hat diese kleine Analyse gefallen und ich konnte für euch etwas Licht ins Dunkle bringen. Solltet ihr noch Etwas ergänzen wollen hinterlasst doch gerne einen Kommentar.


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